Am 4. Oktober 2009 ist die Generalamnestie für Militante im Niger-Delta von Staatspräsident Yar´Adua abgelaufen. Die Resonanz ist ein großer persönlicher Erfolg für Präsident Yar´Adua, der sich mit Geduld, Hartnäckigkeit, Toleranz und Großzügigkeit persönlich stark in den Prozess eingebracht hat.
Alle wichtigen Führer der MEND (Movement for the emancipation of the Niger Delta) und anderer Militantengruppen (bis auf die Ausnahme Asari Dokubo von der NDPVF - Niger Delta People Volunteers Force) haben das Amnestieangebot des Präsidenten angenommen, den Kampf aufgegeben und ihre Waffen abgegeben.
Tom Ateke und Tompolo, die wichtigsten Kommandeure der MEND, wurden sogar persönlich von Yar´Adua in Abuja empfangen. MEND reagiert trotzig und kündigt Fortsetzung des Kampfes mit neuen, mobilen Kämpfern an. Das Ultimatum ist mittlerweile abgelaufen, ohne dass es zu weiteren Attacken durch MEND gekommen ist. Asari Dokubo von der Niger Delta People Volunteers Force lehnt Amnestieangebot ab und will weiterkämpfen bis zur Einberufung einer nationalen Konferenz über Fragen der Souveränität der Region. So schwierig das verworrene Statement der NDPVF einzuschätzen ist, und so schwer es fällt, sich vorzustellen, dass MEND ohne seine Führer und deren Fusssoldaten noch handlungsfähig sein soll, so haben doch beide Statement in einem Punkt zweifelsohne recht. Ohne die Lösung der dem Konflikt zugrunde liegenden Probleme der Region oder zumindest nicht ohne den für die Bevölkerung erkennbaren Willen der Regierung dies wirklich in Angriff zu nehmen, steht der jetzige Erfolg auf wackligen Beinen.
Der Erfolg der Amnestie ist der erste Schritt zur Lösung der Probleme in der Krisenregion. Die Regierung hat die Ex-Militantenführer in den Prozess der Verbesserung der Situation im Niger-Delta eingebunden. An erster Stelle steht die Rehabilitierung und Integration der Militanten in die Gesellschaft und zwar in einer Art und Weise, dass sie Militanz unattraktiv macht. Die Menschen in der Region erwarten massive Anstrengungen und Fortschritte bei der Entwicklung der Infrastruktur, bei der Elektrizität, bei der Wasserversorgung und bei der Beseitigung der Umweltverschmutzung. Letztlich wird es aber darauf ankommen, dass die Menschen in der Region das Gefühl von wirklichem Ownership und eine größere Beteiligung am Ölreichtum bekommen.
Die allgemeinen Wahlen im Jahr 2011 setzten einen weiteren Rahmen für das Gelingen der Reformpolitik. Die Politiker, die letztlich verantwortlich dafür waren, dass aus der Widerstandsbewegung gegen die Ausbeutung der Region eine kriminelle Großveranstaltung mit illegalem Bunkern von Erdöl und Kidnapping geworden ist, müssten sich ihrer Verantwortung bewusst werden und auf die vermeidliche „Wahlkampfunterstützung“ durch die bewaffneten Unterstützter verzichten. Ob sie das tun, ist offen.